

Doku -14:04 Min.
Eintauchen — Bild für Bild.
Während im Heide Park der Betrieb läuft wie an jedem Wochenende, verhandelt 700 Kilometer entfernt in London ein Konzern um mehr als 650 Millionen Pfund, nur um selbst zahlungsfähig zu bleiben.
Die Saison 2026 hat im Heide Park ohne eine einzige neue Attraktion begonnen, die letzte wirklich neue Achterbahn, der Flug der Dämonen, liegt über ein Jahrzehnt zurück. Die große Piratenshow wurde 2026 abgesetzt, zudem ging das Showgeschäft an den externen Dienstleister RWS Global über. Gleichzeitig kostet Parken mittlerweile min. 14 Euro für Tagesgäste wie für Hotelgäste über die gesamte Aufenthaltsdauer, und im günstigsten Hotelpaket ist der Parkeintritt nicht mehr enthalten. Montags blieb der zweitgrößte Freizeitpark Deutschlands 2026 regelmäßig geschlossen, ein Tag, an dem er in der Vorsaison noch größtenteils geöffnet hatte.

Was für den Vermieter ein verlässliches Einkommen ist, ist für den Mieter natürlich eine verlässlich wachsende Last.
Das Grundstück, auf dem der Heide Park steht, gehört nicht Merlin Entertainments, sondern dem britischen Immobilienkonzern LondonMetric Property. Merlin Entertainments hat den Park 2019 verkauft und im selben Moment zurückgemietet, ein Sale-and-Leaseback, das sofort Kapital bringt und dauerhaft Miete kostet. Rund 6 Millionen Pfund im Jahr allein für den Heide Park, bei einer Restlaufzeit bis weit in die 2070er Jahre und ohne Ausstiegsklausel. Dazu kommt eine feste jährliche Mieterhöhung von 3,34 Prozent, völlig unabhängig davon, ob Besucher kommen oder fernbleiben.

Nice to know
Bei Merlins britischen Parks ist die Miete an die Inflation gekoppelt, mit einer Ober- und einer Untergrenze. Beim Heide Park steigt sie stattdessen jedes Jahr um exakt 3,34 Prozent, was sie rund alle 21 Jahre verdoppelt.
Merlin Entertainments meldete für 2025 einen Umsatz von 1,999 Milliarden Pfund, bei einen Nettoverlust von 406 Millionen und einem Eigenkapital von minus 885 Millionen Pfund. Der eigentliche Druck kommt von Anleihen über 800 Millionen Dollar, die im November 2027 fällig werden, weshalb Bloomberg am 10. September eine Refinanzierung über 657 Millionen Pfund neue Kredite bestätigte. Dieses frische Kapital ist vollständig verplant, bevor ein Cent in eine neue Achterbahn oder Themenwelt fließen könnte. Merlins große Projekte für 2026 und 2027 gehen somit nicht in den Heide Park, sondern nach Alton Towers, nach Chessington, in ein Legoland-Harry-Potter-Land im Legoland Deutschland und in zwei US-Resorts. Für den Heide Park ist für mindestens die nächsten zwei Jahre keine neue Großattraktion angekündigt.
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