

Doku - 10:00 Min.
Eintauchen — Bild für Bild.
Ein neuer Erlebnispark im Erzgebirge eröffnet mit zwanzig Millionen Euro Investition und guten Bewertungen, acht Wochen später steht er vor dem Insolvenzgericht, nicht wegen der Gäste, sondern wegen einer Baufirma im Hintergrund.
Die Geschichte beginnt nicht mit einem Erlebnispark, sondern mit einem Bauunternehmen. 1991 gegründet in Schwarzenberg, seit 2016 unter Sebastian Schneider, seit 2021 als Schneider erzgebirge Hoch- und Tiefbau GmbH mit rund 35 Mitarbeitern. Aus diesem soliden Familienbetrieb wächst 2022 eine völlig andere Idee. Am Unterbecken des Pumpspeicherwerks Markersbach entsteht ein Familienerlebnispark mit Indoor-Spielewelt, Kletterturm, Mitmach-Baustelle und einem Reisemobilhafen mit über fünfzig Stellplätzen. Die Investitionssumme liegt bei über zwanzig Millionen Euro, rund fünf Millionen davon Fördergeld über die Sächsische Aufbaubank, gebunden an die Auflage, den Betrieb über Jahre fortzuführen. Im Handelsregister stehen Brennholzhandel und der Betrieb von Freizeiteinrichtungen als Unternehmensgegenstand in einem einzigen Satz.
Anders als bei den meisten Park-Pleiten war es hier nie der Markt, der versagte, sondern die Bilanz eines Unternehmens im Hintergrund.
Am 27. Januar 2026, keine acht Wochen nach der Eröffnung, ordnet das Amtsgericht Chemnitz für die Betreibergesellschaft ein vorläufiges Insolvenzverfahren an. Offiziell werden Bauverzögerungen und Finanzierungsschwierigkeiten genannt, doch der eigentliche Grund liegt woanders. Das Kernholzgeschäft der Familie steckt in einer Branchenkrise, die deutsche Holzindustrie meldet 2024 einen Umsatzrückgang von knapp acht Prozent, während Baugenehmigungen für Wohnungen um fast siebzehn Prozent einbrechen. Park und Baufirma hängen an denselben Kreditlinien und demselben Grundstück. Als das Baugeschäft wankt, reißt es den Park mit. Dabei lief der Park zu diesem Zeitpunkt tatsächlich gut. Im Februar 2026 zählt er rund achttausend Besucher bei einer Google-Bewertung von 4,6 von 5 Sternen.
Im Frühjahr 2026 gibt es allerdings Hoffnung. Um Ostern stehen fünf Investoren bereit, eine neue Küchenchefin übernimmt, die Gastronomie wird umgestellt. Am 1. April 2026 eröffnet das Amtsgericht Chemnitz das Hauptinsolvenzverfahren, doch bis Juni zerschlagen sich die Investorengespräche. Aus der offiziell verkündeten „Sommerpause“ ab 1. Juli wird Ende Juli sichtbar mehr. Tor und Gelände sind verschlossen, Mitarbeiter gekündigt, nur der Wohnmobilstellplatz bleibt offen. Parallel wird die alte Baufirma komplett abgewickelt, ihr Vermögen ab dem 25. August 2026 online versteigert. Ein Wiedereröffnungstermin für den Park existiert bis heute nicht.
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